Chile – entlang der Carretera Austral

Nachdem ich über den Paso Roballo von Argentinien nach Chile eingereist bin, fuhr ich direkt in den Nationalpark Patagonia. Dieses 690 Quadratkilometer große Naturreservat war ursprünglich eine große Ranch oder Estancia im Tal „Valle Cacabuco“. Der Park besteht aus weitläufigen Steppenlandschaften, Waldgebiete und Seen, ein Kontrast zur trockenen Halbwüste auf der Argentinischen Seite.

Der Nationalpark ist reich an Tierwelt. Vor allem waren Guanakos überall gegenwertig, und ließen sich beim Grasen kaum stören. Die schneebedeckten Gipfel der südlichen Anden waren in der Ferne zu sehen.

Im Westen grenzt der Nationalpark an dem Rio Baker, der größte Fluss in dieser Region. Hier bin ich auf die „Carretera Austral“ gestoßen. Diese 1200 Kilometer lange Straße startet weiter nördlich in Puerto Montt,, und endet in Villa O’Higgins, am Rande des südlichen Eisfeld „Campo de Hielo Sur“. Sie ist die einzige Nord-Südstraßenverbindung zwischen den verschiedenen Ortschaften im Süden Chiles.
Ich besuchte die Kleinstadt Cochrane, eine wichtige Versorgungsstation in dieser abgelegenen Gegend.

Dierkt am nahegelegenen See „Lago Cochrane“ verbrachte ich den Nachmittag bei schönstem Sommerwetter, und dann auch ganz alleine eine ruhige Nacht.

Die kleine Fischerkommune, Caleta Tortel, liegt an den Hängen der Küste am Ende eines Fjords zwischen den beiden Eisfeldern im Süden Chiles. Hier mündet der Rio Baker in den Pazifischen Ozean. Ureinwohner, wie die Mapuche, besiedelten diese Region schon vor 10000 Jahren. Das Klima ist eher polar und wechselhaft. Auch bei schönem Wetter im Spätsommer lagen die Temperaturen unter 15 Grad.

Innerhalb des Ortes gibt es keinen Zugang für Fahrzeuge. Mittels Laufstege sind die einzelnen Häuser und Gebäude verbunden.

Viele Abschnitte der Hauptroute „Carretera Austral“ waren nicht asphaltiert. Oft musste „Hausi“ über sehr holprige und steinige Pisten fahren. Ich habe deshalb auf den letzten Abschnitt der schlechten Straße bis zum südlichen Ende der „Carretera Austral“ nach Villa O’Higgins verzichtet, und fuhr wieder zurück in den Norden. Dafür wurde ich bei schönstem Wetter mit der grandiosen Landschaft, den schneebedeckten Bergen und grünen Wäldern, blauen Seen und rauschenden Flüssen entschädigt.

Wieder nördlich von Cochrane, erreichte ich die zwei kleinen Ortschaften, Puerto Bernard und Puerto Guadal.

Puerto Rio Tranquilo liegt am riesigen grenzüberschreitenden See, Lago General Carrera, welcher auf der Argentinischen Seite Lago Buenos Aires heißt. Mit einer Gesamtfläche von rund 1850 km² ist er dreieinhalb mal so groß wie der Bodensee.

Von hier aus entschied ich mich in das Nebental „Valle Glaciares“, entlang den Flüssen Rio Norte und Rio Exploradores zu fahren. Diese Gegend ist sehr abgelegen, und sehr dünn besiedelt. Die 85km lange, wenig befahrene und nicht asphaltierte Stichroute endet in Puerto Grosse an einem Fjord am Pazifik. Auch beim länger andauernden Regenwetter konnte ich immer wieder wechselnde Einblicke in dieser wunderbaren, unberührten Natur erleben.

Während einer kurzen Regenpause, zeigte sich der Gletscher am Fuße des 4058m hohen „Monte San Valentin“, eines der vielen Gletschern am Nördlichen Eisfeld „Campo de Hielo Norte“.

Die spektakuläre Natur bot mir wunderschöne Übernachtungsplätze in der Wildnis.

Zurück an der „Carretera Austral“ ging es weiter entlang des Lago General Carrera nach Bahia Murta.

Und über eine weitere Seitenroute fuhr ich in Richtung Osten in der Nähe zur Grenze nach Argentinien.

Die markanten schneebedeckten Gipfel im Nationalpark Cerro Castillo waren bei schönem Wetter gut zu sehen.

Meine Fahrt ging weiter vorbei an den Wasserfällen vom Rio Ibáñez bis zum Ort Puerto Ingeniero Ibáñez abermals am verzweigtem Lago General Carrera, und wieder in Sichtweite Argentiniens.

Die Gegend nördlich vom Nationalpark Cerro Castillo ist dichter besiedelt, mit Rinder- und Schafzucht, sowie Landwirtschaft.

Die Landschaft entlang der „Carretera Austral“ ist sehr abwechslungsreich. Hinter jeder Kurve wurde ich immer wieder von spektakulären Aussichten überrascht.

An einem der Fjorde stoß ich auf Puerto Puyuhuapi. Dieser kleine Ort wurde in 1935 durch 4 Deutsche Einwanderer gegründet, und erst 1983 an die Straße „Carretera Austral“ angeschlossen. Vorher war er nur über den Seeweg erreichbar.

Der Nationalpark Pumalin wurde privat durch den Amerikaner, Doug Tompkins, gegründet, und in 2017 an die Regierung Chiles als Wohltätigkeit übertragen. Ich unternahm eine wunderschöne aber anstrengende Wanderung bis zum Gletscher am Fuße des 2460 Meter hohen Vulkans Michinmahuida.

Der kleine Ort Chaltén ist eine weitere wichtige Versorgungsstation in diese Region.

Ebenfalls in weitläufigen Nationalpark Pumalin liegt der aktive Vulkan Chaltén. Beim letzten Ausbruch in 2008, hatte er zuletzt große Schäden angerichtet. Jetzt dampfte er so vor sich hin.

In der Nähe bei „Los Alerces“ konnte ich die 3000 Jahre alten Bäume bewundern.

Die Abschnitte der „Carretera Austral“ werden an ein paar stellen mittels Fähren verbunden. Ich benötigte zwei Fährabschnitte durch die Fjordlandschaft um den kleinen Ort Hornopirén zu erreichen.

Eine wunderschöne Route entlang der Küste, die „Ruta Costera“, führte mich durch viele kleine Fischerorte.

Delfine schwammen entlang der oft windigen Küste. Ziegen und Kühe grasten am Straßenrand. Und die vielen Vögel fühlten sich offensichtlich hier wohl.

Zwei Tage verbrachte ich hier in dieser fischreichen Gegend.

Für mich führte der Abschluss der Fahrt an der „Carretera Austral“ über Cochamó und einem langen Fjord, bis hoch nach Puerto Varas.
Seit der Grenze war ich nun 2000 Kilometer. Aber Chile ist ja bekanntlich sehr lang. Nur etwa ein Drittel des Landes hatte ich bis jetzt durchquert.