Argentinien – ständig wechselnde Farbenspiele

Von San Pedro de Atacama bin ich über den „Paso de Jama“, mit 4831 Meter über Meeresspiegel der höchste befahrbare Pass in Chile, in den Nordwesten von Argentinien eingereist. Der 6130m hohe schneebedeckte Vulkan „Nevado de Quehuar“ zeigte sich noch lange im strahlend blauen Himmel am Horizont.

Ich verließ die Hauptstraße um über eine Nebenstrecke weiter in den Norden des Landes zu gelangen. Ich liebe diese Nebenstrecken, da sie oftmals für interessante Überraschungen sorgen. Nicht immer waren die Wege ganz durchschaubar. Und selbst die Navigation des Handys führte mich über enge Feldwege, manchmal durch kleine Flussfurten, oder es mussten geschlossene Tore geöffnet werden, um weiterzufahren. Die Schotterstraßen waren meistens sehr rau, und die Waschbrett ähnlichen Oberfläche sehr ungemütlich für „Hausi“ und deswegen auch für mich. Aber auf diesen Nebenstrecken war kaum Verkehr. Somit konnten wir sehr langsam fahren, und ich damit auch die wunderbare Landschaft genießen.

Die Landschaft im Norden Argentiniens ist sehr trocken. Die auf über 3500 Meter über Meeresspiegel liegende Halbwüste ist sehr dünn besiedelt. Verschiedene Kaktusarten, unter anderem die großen und bis zu 300 Jahre alten Cardones, sind die dominierende Flora. Nur sehr wenige Flussläufe führen etwas Wasser, lebenswichtig für Mensch und Natur. Lamas als Nutztiere waren bunt geschmückt. Die Grenze zu Bolivien war weniger als 100km entfernt. Mit Tres Cruezes, auf 3700 Meter über Meeresspiegel angeblich das höchstgelegene Dorf des Landes, erreiche ich den nördlichsten Ort auf meine Reise durch Argentinien.

Dort wo Wasser fließt, sind die Täler grün. Die Farben der bewachsenen Täler im Kontrast zu den bunten Felsen der Berge war immer wieder ein wunderschöner Anblick.

Auf der Fahrt zurück in den Süden erreichte ich erneut den südlichen Wendekreis, „Tropic of Capricorn“.

Das etwa 170km lange Tal „Quebrada de Humahuaca“ wird vom Fluss „Rio Grande de Jujuy“ beherrscht. Es verläuft in etwa vom Ort Tres Cruezes, auf 3700 Meter über Meeresspiegel bis zu San Salvador de Jujuy auf knapp 1300 Meter über Meeresspiegel. Der Fluss führt ganzjährig Wasser. Das Tal war bereits vor über 10000 Jahren besiedelt. Und während der Kolonialzeit war es eine wichtige Verbindung von Peru bis zum Rio de la Plata an der Atlantikküste. Das Tal gilt als außergewöhnliches Beispiel einer lebenden Kulturlandschaft, und wurde 2003 als UNESCO Weltkulturerbe anerkannt. Die kargen, ausgewaschenen Berge boten mir immer wieder besondere Fotomotive. Diese versuchen nur einen kleinen Eindruck über der wunderbaren Landschaft widerzuspiegeln.

Ich besuchte das auf 2500 Meter über Meeresspiegel zentral im Tal liegende Dorf Tilcara. Wegen seiner besonderen Lage, sowie der archäologischen Ausgrabung am Hügel „Pucará“, ist der Tourismus bedeutsam geworden.

In Tilcara gibt viele kleine interessante Märkte, in dem die Einwohner ihren Lebensunterhalt verdienen. Wie bereits ganz im Süden Argentiniens, habe ich hier im Nordwesten mehr Menschen mit Wurzeln der Ureinwohner gesehen. Kunst, Kultur und Musik machten den Aufenthalt sehr interessant.

Im Tal „Quebrada de Humahuaca“ liegen einige schöne kleine Ortschaften, wie zum Beispiel Maimará. Dort unternahm ich die Wanderung „Sendero Mirador Paleta del Pintor“. Der Weg führte mich von 2400m hoch auf 3330m, und gab mir eine fantastische Aussicht über die Berge und das Tal. Die Farben der Felsen der kahlen Berge waren fast wie gemalt. Dadurch dass der Fluss ganzjährig Wasser führt, wird in dieser trockenen Gegend reichlich Gemüse, Obst und sogar Wein angebaut.

Ein weiterer wunderschöne Ort war Purmamarca. Wegen seiner Lage in einem Seitental direkt an den bunten Felswänden ist er touristisch sehr beliebt.

Am unteren Tor der Tals „Quebrada de Humahuaca“ führt die Straße innerhalb wenige Kilometer schnell von 2000 hinunter auf unter 1300 Meter über Meeresspiegel. Die Landschaft veränderte sich schlagartig. Und das Wetter wurde feuchter und kühler. Plötzlich wurde es sehr grün. An den steileren Berghängen wuchs Urwald.

Die Provinzhauptstadt Salta, mit etwa 600.000 Einwohnen, liegt auf etwa 1200 Meter über Meeresspiegel. Dessen Altstadt ist bekannt für ihre alte spanische Kolonialarchitektur, sowie den schönen grünen Parks und Plätzen.

Von Salta unternahm ich eine Tagestour bis zum 170km entfernten und auf knapp 3800 Meter über Meeresspiegel liegenden Ort San Antonio de los Cobres. Von hieraus startete die relativ kurze Zugfahrt mit dem „Tren a las Nubes“ auf über 4200 Meter über Meeresspiegel bis zur 224m langen und 63m hohen Eisenbahnbrücke „Viaducto La Polvorilla“.

Meine Reise führte mich mich weiter südlich, zurück in die Anden. Durch das Tal „Quebrada del Escoipe“ ging es über einen Pass hinauf auf 3300 Meter über Meeresspiegel. Erneut veränderte sich die Landschaft vom satten Grün ins trockene.

Im wunderschönen Nationalpark „Parque Nacional Los Cardones“ verbrachte ich ein paar Tage. Die durch die Verschiebung der Erdplatten erhobenen Bergketten des Andenmassivs reihten sich aneinander, fast wie die Falten eines zusammengeschobenen Tischtuches. In den hochgelegenen trockenen Tälern grasten die Guanakos. In den ausgewaschenen Flussläufen erwartete die ausgedorrte Flora die nächsten Regenfälle, und boten mir dann auch spektakuläre Übernachtungsplätze in der Wildnis.

Nachdem ich einen Teil des ausgetrockneten Flusses „Rio Tíntin“ durchwandert hatte, entschied ich mich diesen als Abkürzung mit „Hausi“ zu durchfahren. Wir folgten die paar wenigen Fahrzeugspuren im Flusslauf durch teils sandigem Gelände in der Hoffnung auch weiter unten wieder auf die Querstraße zu gelangen. Der Flusslauf führte uns 15km stetig bergab, durch zwei engere Schluchten, schließlich bis zum gesuchten Ausgang kurz vor seiner Mündung in den wasserführenden „Rio Calchaqui“. Und wieder erreichte ich eine wunderbar abgelegene Übernachtungsstelle in der Wildnis.

Cachi, ein weiteres schönes kleines Dorf, liegt im Tal „Valles Calchaquies“ auf 2300 Meter über Meeresspiegel. Der Fluss „Rio Calchaqui“ führt ganzjährig Wasser. Der Ort war bereits lange vor der spanischen Eroberung Südamerikas besiedelt. Über teils uralte Bewässerungsgräben werden die Felder in Terrassenkulturen versorgt. Somit können in dieser sehr trockenen Region erfolgreich Gemüse, Obst, und auch Wein angebaut werden.

Ich folgte eine raue, enge und kurvige Piste in ein abgelegenes Nebental. Auf 2700 Meter über Meeresspiegel liegt der Vulkansee „Laguna de Brealito“. Dort konnte ich Jahrtausend alte Wandmalereien bestaunen. Die zusammengeschobenen und aufgehobenen Erdplatten waren ebenfalls hier zu bewundern.

Zurück angekommen im grünen Tal „Valles Calchaquies“, folgte ich wieder den Fluss „Rio Calchaqui“. Die durch den gesamten Westen Argentiniens laufende legendäre Route RN40 war hier besonders rau. Nur langsam ging es auf der Wellblechpiste vorwärts. Aber dafür entschädigte die spektakuläre Natur. Und der nordwestlich von Cachi liegende 6380m hohe schneebedeckte „Cerro del Libertador General San Martin“ war noch lange zu sehen.

Die Route RN40 führte mich durch ausgewaschene Landschaften, in denen ich oftmals märchenhafte Gesichter erkannte.

Manchmal ging die Straße durch, aber meistens mittels einer Brücke, über den Fluss. Ab und zu stand ein einsam gelegenes Häuschen am Wegesrand. Und die freistehenden und abgelegenen Übernachtungsmöglichkeiten in dieser spektakulären Wildnis mit Lagerfeuer waren für mich immer wieder ein besonderes Erlebnis. Nachts, bei angenehmen Temperaturen, schien die Milchstraße am gesamten Himmel und der Vollmond war inklusive.

Die etwa 75km lange Schlucht „Quebrada de las Conchas“ am gleichnamigen Fluss ist eine weitere Sehenswürdigkeit, welche viele Touristen vom In- und Ausland anzieht. Die atemberaubende Berglandschaft ist in Bildern und Worten kaum zu vermitteln. Es sind wiederum die Kräfte der Natur, welche dieses phantastische Gebiet geschaffen haben.

Ich besuchte die Kleinstadt Cafayate. Sie genießt ein trockenes und sonniges Klima, pflegt alte Traditionen der Ureinwohner, und ist lebendig. Angeblich scheint hier die Sonne 360 Tage im Jahr. Trotz sehr geringem Niederschlags, liegt sie wie in einer Oase. Mehrere kleine Flüsse führen Wasser aus den Hochanden in den Fluss „Rio Calchaqui“. Flusswasser, welches ganzjährig vorhanden ist, wird über Wasserkanäle zur Versorgung der Gemüse- und Obstfelder verteilt. Das trockene Klima und vorhandene Wasser ermöglicht auch intensiven Weinanbau. Zusammen mit dem Tourismus sind dieses die wichtigsten Wirtschaftszweige.

Etwas weiter südlich liegt die große präkolumbianische Siedlung „Ruinas de los Quilmes“. Das Volk der Quilmes leistete 130 Jahre lang erbitterten Widerstand gegen den spanischen Eroberern. Nachdem sie 1665 schließlich besiegt wurden, mussten sie zur Deportation einen 1400km langen Fussmarsch bis nach Buenos Aires durchmachen, bei dem nur etwa 400 Menschen überlebten. Das Volk der Quilmes verschwand als eigenständige Kultur.
Meine Reise ging weiter über den 3042 Meter über Meeresspiegel hohen Pass. Bei „El Infiernillo“ verließ ich den trockenen Nordenwesten. Die Landschaft veränderte sich erneut.