Chile – die wundervolle Atacama und die Andenüberquerung

Von den Städten in der Mitte des Landes ging meine Reise durch Chile weiter entlang der Küste in Richtung Norden. Das in Nord-Süd-Richtung sehr langgestreckte Land besitzt mehrere Klimazonen. Hier im Norden veränderte sich die Natur abermals. Es wurde trockener.

Der hier immer noch kalte aber fischreiche Pazifik bietet der Fauna genügend Nahrung. Auf den kleinen Inselchen und vorgelagerten Felsen verweilen sie. Wie hier am „Monumento Natural Isla Cachagua“ konnte ich verschiedene Seevögel, wie Pelikane, Pinguine oder Kormorane beobachten.



Im ebenfalls an der Küste liegenden Park „Bioparque Puquén“ waren unterschiedliche Kakteen, sowie bunte und singende Vogelarten zu sehen. Auch Seelöwen lagen auf eines der vorgelagerten Felsinseln.





Die Pazifikküste ist wild und wunderschön. Jetzt in der Nebensaison waren nur sehr wenige Touristen unterwegs. Immer wieder konnte ich schöne Übernachtungsstellen finden, und die prächtigen Sonnenuntergänge genießen.




Die kalte Meeresströmung, der Humboldtstrom, fließt aus dem Süden. Temperaturunterschiede zum Festland verursachen, dass es in Küstennähe morgens oftmals nebelig ist. Interessant zu beobachten war es im Nebelwald „Bosque de Fray Jorge“. Sogar tagsüber steigt der Nebel vom Pazifik hoch, und versorgte die Flora auf den 500 Meter hohen Berggipfeln in Küstennähe mit genügend Feuchtigkeit. So hat sich über Jahrtausende in dieser eigentlich sehr trockenen Klimazone an wenigen sehr feuchten Berggipfeln Nebelwald entwickelt.




Ich besuchte die Stadt La Serena. Sie liegt an der Küste und bot ein anschauliches Zentrum.



Der norden Chiles ist sehr trocken. Die Luft ist besonders klar. Ungestört von künstlichem Licht ist nachts der Sternenhimmel sehr gut zu beobachten. Bedingt durch die Erdausrichtung in unserem Sonnensystem, ist außerdem auf der südlichen Halbkugel mehr von unserer Milchstraße sichtbar. Deswegen befinden sich auf einigen hohen Gipfeln in der Atacama-Region Sternwarten. Ich konnte die ESO-Sternwarte „La Silla“ auf 2400 Meter über Meeresspiegel besuchen. Über die Jahre wurden in dieser in den 1970-er Jahren erbauten Sternwarte verschiedene Teleskoparten errichtet. Manche der älteren Teleskope wurden regelmäßig mit neuester Technik modernisiert.






Die Besichtigungstour startete früh morgens. Mit einem Bus wurden die Besucher von der Hauptwache unten im Tal abgeholt. Dort verbrachte ich die Nacht vor der Tour. Die Papageien kreischten in den Bäumen. Neugierige Esel besuchten mich. Die Luft war klar. In der Nacht stand die Milchstraße zum greifen nah. Trotz Vollmond konnte ich durch mein Fernglas Millionen von Sterne sehen. Und am Morgen erlebte ich einen phantastischen Sonnenaufgang. Die ersten Sonnenstrahlen zeichneten Streifen über den gesamten Himmel, bis hinüber zum untergehenden Mond.




Über die Autobahn ging es in die Atacama-Wüste. Dort führte mich eine Nebenstrecke, die „Ruta del Desierto“, durch wunderschöne Dünenlandschaften. Die Atacama ist 1200km lang, liegt zwischen den Bergen „Cordillera de la Costa“ am Pazifik, und dem Andenmassiv. Sie ist angeblich die trockenste Wüste der Erde. Es gibt Orte, an denen jahrzehntelang kein Regen registriert wurde.





Die Region ist sehr reich an Bodenschätze. Oftmals waren mehrere kleine und auch teilweise riesengroße Minen zu sehen.


Ich besuchte die kleine Mine San Jose. Hier wurde im Untertagebau bis zu einer Tiefe von 700m Kupfer und Gold abgebaut. Am 5. August 2010 brach bei einem unterirdischen Erdrutsch der Hauptstollen in einer Tiefe von rund 500m in sich zusammen, und blockierte so den Ausweg der untertage arbeitenden Minenarbeiter. Mehrere internationale Firmen beteiligten sich an der aufwendigen und anspruchsvollen Rettungsaktion. Nach 18 Tagen erreichte die erste kleine Bohrung den in über 600m Tiefe liegenden Schutzbereich, in denen sich vermeintlich die Minenarbeiter aufhielten. Durch klopfen an der unten angekommenen Bohrstange bestätigten sie, dass sie noch am Leben waren. Mittels eine zweiten etwas größere Bohrungen konnten sie dann zunächst versorgt werden. Aber eine weitere im Durchmesser noch größere Bohrung musste zur Rettung der Arbeiter die Tiefe von rund 600m überwinden. Schließlich nach 70 Tagen konnten alle 33 Minenarbeiter mittels einer speziell für die Bergung gebauten Kapsel über dieses Bohrloch einzeln herausgezogen und somit gerettet werden.
Die Mine wurde nach diesem Unfall nicht mehr in Betrieb genommen. Aber im dortigen „Museo Mina San José“ konnte ich mich über diese außergewöhnliche Rettungsaktion informieren. Jorge Galleguillos, eines der Geretteten, betreute das Museum.



Unser Volkswagen T6 ist für den europäischen Markt und deswegen nicht für extreme Passhöhen konzipiert. Insbesondere ist bei den modernen Dieselfahrzeuge das nach den EU-Umweltstandards vorgeschriebene Abgasreinigungssystem nicht für großen Höhen entwickelt und getestet. Bis zu einer Höhe von 3600 Meter über Meeresspiegel hatte es „Hausi“ bereits in Mexiko ohne Probleme geschafft. Aber hier in Südamerika geht es oftmals noch weitaus höher. Da ich im Norden von Chile über einen 4831 Meter hohen Pass nach Argentinien fahren wollte, war vorher ein Höhenfahrt als Test wichtig. Am Gebirgspass „Paso Internacional San Francisco“ konnte ich diesen Test durchführen. „Hausi“ fuhr erstmal auf 4300 Meter über Meeresspiegel, und schaffte auch das ohne Probleme.





Die Passstraße war Asphaltiert und somit gut zu fahren. Hier auf über 4000 Meter über Meeresspiegel ist es sehr trocken. Es gibt nur wenig Vegetation, aber interessanterweise wieder Tiere, wie die vielen Guanakos.




Auf der Hochebene sah ich in der Wüste dank Wasserquellen wieder etwas Flora. Am Salzsee „Salar de Maricunga“ machte ich kurz Halt.





Die Luft ist in diesen Höhen sehr dünn. Da ich mich wenige Tagen zuvor noch auf Meereshöhe befand, kostete jede Bewegung Kraft




Eine 18km lange aber schlechte Waschbrettpiste führte mich durch ein schönes Tal bis zum kleinen Wasserfall „Cascada Congelada“. Hier auf 3900 Meter über Meeresspiegel übernachtete ich. Wegen der Höhe schlief ich leider unruhig. Nachts viel die Temperatur unter dem Gefrierpunkt. Glücklicherweise hatte „Hausi“ die dünne und kalte Luft der Nacht wohl besser verarbeitet, denn am Morgen startete der Motor ohne zu Zucken.





Über einer anderen Passstraße ging es von der Hochebene wieder hinunter bis an den Pazifik. Dieser Test war also gelungen.




Ich durchfuhr den „Parque National Pan de Azucar“. Meist war es an der Küste bis mittags nebelig. Sobald ich aber etwas von der Küste weg war, oder in die Höhe fuhr, durchstieß ich meist schlagartig die Nebelbank.






Die große Hafenstadt, Antofragasta, musste ich durchfahren. Das Wahrzeichen der Stadt, „Monumento Natural La Portada“, besichtigte ich noch. Und kurz darauf überquerte ich den südlichen Wendekreis „Tropic of Capricorn“.




Die Route RN1 führte mich entlang der reizvollen aber kalten Pazifikküste, und der Bergkette „Cordillera de la Costa“. Ich passierte kleine Dörfer, dessen Bewohner vom Fischfang, sowie dem ernten von Seetang leben, und erreichte so die Großstadt Iquique.




Ab hier verließ ich die Pazifikküste Chiles. Ich fuhr durch die nördliche Sandwüste der Atacama, bewunderte an den Hügeln riesige uralte Figuren aus Steinen, sogenannte Geoglyphen, wie „El Gigante de Atacama“ und „Geoglifos de Calartoco“. Sie wurden von den Ureinwohnern verschiedener Kulturen aus einer Zeit lange vor der Kolonialisierung errichtet.




Die alten Salpeterwerke Humberstone und Santa Laura wurden noch bis 1961 betrieben. Salpeter wurde hauptsächlich zur Produktion von Düngermittel benötigt, und war Anfang des letzten Jahrhunderts ein blühendes Geschäft. Ab 1920 bracht aber der Salpetermarkt zusammen, da Kunstdünger erfunden wurde. Heute stehen die Ruinen vieler Salpeterminen in der Landschaft herum. Die Salpeterwerke von Humberstone und Santa Laura wurden in 2005 als UNESCO Weltkulturerbe deklariert, und können besichtigt werden. Das Geisterdorf, unter anderem mit eigenem Schwimmbad und einem Theater, in dem auch renommierte chilenische Künstler auftraten, gab mir einen Eindruck, wie damals die rund 3700 dort mitten in der Wüste arbeitenden Mitarbeiter lebten. Heute rosten die Werkshalle vor sich hin.






Ich fuhr wieder in das Andenmassiv. Die schneebedeckten 6000-er standen am Horizont. Im Dorf Chiuchiu sah ich die ältesten Kirche Chiles. Die kleine „Iglesia de San Francisco“ wurde in 1650 erbaut, und ist heute ein Nationaldenkmal. Die in der nähe liegende „Laguna Inka Coya“ ist eine natürliche kleine Süßwasserlagune mitten in der Wüste. Anstelle von Guanakos grasten hier die wolligen Lamas.






Ein weiteres kleines Bergdorf, Caspana, liegt bereits auf 3500m. Quellen versorgen die Menschen und die Felder mit Wasser.




Dann musste „Hausi“ wieder über ein höheren Pass fahren, dieses Mal auf 4500 Meter über Meeresspiegel, um zu den Geysiren „El Tatio Mallku“ zu gelangen. Das auf 4300m liegende Geysir Feld ist das größte in Südamerika, und eine beliebte Touristenattraktion. Die Passfahrt hat „Hausi“ abermals sehr gut verkraftet.







Von der Hochebene ging es langsam hinunter, vorbei an Feuchtgebieten in denen sich viele Vögel, unter Anderen auch Flamingos, wohlfühlten. Ein Bad im warmen Fluss „Puri Libre“ und eine Übernachtung auf 3500m, mit einem grandiosen Blick über die Andengipfel, taten mir dann gut.






Ein besonderes schönes Tal war für mich das „Valle del Arcoinis“, das Regenbogental. Die verschiedenen Farben der Felsen waren wirklich atemberaubend schön. Ich konnte in ausgewaschene Canyons hineinlaufen, und mit ein wenig Phantasie, sah ich in manch einem Felsen lustige Gesichter.











San Pedro de Atacama ist unter Touristen eine beliebte Kleinstadt, mitten in der Atacamawüste. Es gibt viele Souvenirläden, Restaurants und Kneipen, sowie auch Reiseveranstalter, die den Touristen verschiedenste Touren zu den Sehenswürdigkeiten der Umgebung anbieten.






Nun stand für „Hausi“ der wahre Test bevor. Von San Pedro de Atacama aus, hatte ich den nördlichsten Grenzübergang nach Argentinien ausgewählt. Der 5920m hohe Vulkan „Volcán Licancabur“, war bei klarem Wetter wunderbar zu sehen. Über eine sehr gute asphaltierte Straße, ging es hinauf von 2400 auf 4831 Meter über Meeresspiegel. Der „Paso de Jama“ zählt zu den höchsten Gebirgspässen Chiles. Das ist höher als der Mont Blanc, der höchste Berg Europas. So hoch war „Hausi“ noch nie, und selbst ich vorher nur zwei Mal in meinem Leben. Aber auch diesen Rekord schaffte „Hausi“ mit Bravour.



Vorbei an einigen Salzseen ging es über das Hochland der Anden, und dann im kleinen Ort Jama, über die Grenze nach Argentinien.
Insgesamt bin ich in den rund zwei Monaten mehr als 8000 km durch Chile gereist. Während dieser Fahrt vom bezaubernden Feuerland, über die wilden Fjord- und Seelandschaften im Süden bis hin in den trockenen Norden, der wundervollen Atacama, wechselte ich immer wieder zwischen der Pazifikküste und den Anden. Ich fuhr durch den verschiedenen Klimazonen, und erlebte eine so wunderschöne und vielfältige Natur. Auch die Hauptstadt Santiago hat mir gut gefallen. Die Menschen waren immer freundlich und hilfsbereit. Es war für mich ein ganz besonderes Erlebnis. Chile war eine Reise wert.






