Chile – Dinosaurierspuren, Wein und die pulsierende Hauptstadt

Nachdem ich über die „Carretera Austral“ den Süden Chiles durchquert hatte, kam ich nun in der „Lakes District“ an. Diese wunderschöne Seenlandschaft umgeben von den hohen Bergen der südlichen Anden, ist sehr reizvoll zum Wandern, und für den Tourismus gut erschlossen. Aber wie schon vorher im Süden, versprach die Wettervorhersage auch hier leider keine Besserung.

Da traf ich zufällig auf ein deutsches Restaurant, und gönnte mir als Entschädigung für das Regenwetter einen guten Leberkäse mit Kartoffelsalat.

Puerto Varas liegt am „Lago Llanquihue“, mit einer Gesamtfläche von 877 km² der zweitgrößte See Chiles. Natürlich nur bei gutem Wetter wären in Sichtweite zu sehen gewesen, die drei zwischen 2000 und 2500 Meter hohen schneebedeckten Vulkane.
Es gibt einige Ortschaften im Umkreis, die von deutschen Auswanderern gegründet wurden. Deutsche Traditionen werden gepflegt. Ich habe hier mehr deutsche Fahnen wehen sehen, als zuhause. In Puerto Varas traf ich wieder auf Mike und Andrea mit ihrem „Bulli„, mit denen ich zuletzt im Süden Argentiniens zusammengereist bin.

Valdivia liegt weiter nördlich nahe am Pazifik. Hier besuchten wir die Brauerei Kunstmann. Die Familie Kunstmann wanderte bereits im 19. Jahrhundert aus, und baute eine Getreidemühle, eine Brennerei und eine Hefefabrik auf. Erst in den 1960er Jahren begann sie mit dem Bierbrauen nach dem deutschen Reinheitsgebot.

Auch weiter nördlich, an der wunderschönen und abwechslungsreichen Pazifikküste, war leider keine Wetterbesserung in Sicht. Der Dauerregen ging uns auf die Nerven. Also war die Flucht noch weiter in den Norden angesagt.

In Buchupureo fanden wir dann endlich den ersehnten Sonnenschein. Die Regenwolken verzogen sich. Zusammen mit Mike und Andrea verbrachte ich hier zwei Nächte, und genossen das Grillen von frischem Fisch am offenen Feuer.

Ab hier erlebte ich wunderschöne Küstenabschnitte, mit kleinen Fischerdörfern.

Bei Constitución besuchte ich einen weiteren schönen Abschnitt der Steilküste. Fisch- und Krebsfang ist hier oftmals der Lebensunterhalt der Einwohner. Anstelle eines Hafens im sicherlich oftmals rauen Pazifik, wurden hier die Fischerboote mittels Kran aus dem Ozean auf einer Mole herausgehoben.

Pichilemu ist ein bekanntes Surfer Paradies. Vom Aussichtspunkt „La Puntilla“ konnten wir die Surfer beobachten.

Von der Pazifikküste ging es ins Inland. Plötzlich erschien vor mir die schneebedeckte Andenkette am Horizont. Nach dem vielen Regen der letzten Tage waren alle Gipfel in Weiß gekleidet. Landwirtschaft, mit vielen Obstplantagen, prägten die Täler.
Wir fuhren durch eines der Weingegenden Chiles, das „Valle de Colchagua“. In der Nähe des kleinen Ortes Santa Cruz besuchten wir die Weingüter „Viña Neyen de Apalta“ und „Laura Hartwig“.

Ich wollte unbedingt in die Berge, und fuhr somit alleine hoch in den Anden, bis nach „Termas del Flaco“. Das kleine Bergdorf liegt auf 1700 Meter über Meeresspiegel am oberen Ende eines langen Tals des Flusses „Rio Tinguiririca“. Umringt von den 3500 Meter hohen Andengipfeln, die noch mit frischem Schnee bedeckt waren, liegt der Ort sehr abgelegen.

Ich unternahm eine Wanderung auf 2000 Meter, hoch zu den Dinosaurierspuren. Sehr deutlich waren mehrere bis zu 50 cm im Durchmesser großen Spuren in einer Felswand zu erkennen. Die ungefähr 150 Millionen Jahre alten Spuren entstanden als die Felswand noch der schlammige Boden eine Sees war. Durch die Verschiebung der Kontinentalplatten und der Entstehung der Anden erhob sich der versteinerte Seeboden, und stand nun hier vor mir in einem Winkel von ungefähr 45 Grad.

Im Ort „Termas del Flaco“ gibt es mehrere warme Quellen. Also genoss ich ein Bad in eines der natürlichen, heißen Flussläufen.

Ich genoss eine tolle Übernachtungsstelle hier in den Bergen. Nachts schien nirgends künstliches Licht. Die Milchstraße hing uneingeschränkt sichtbar am Himmel über mir.
Die Rückfahrt ging wieder zurück durch das sehr dünn besiedelte Tal des Flusses „Rio Tinguiririca“.

In Chiles Hauptstadt, Santiago de Chile, traf ich wieder auf Mike und Andrea. Zusammen übernachteten wir in einem Apartment im Zentrum der Großstadt. „Hausi“ stand sicher in der Tiefgarage.
Drei Tage verbrachte ich in dieser pulsierenden Stadt. Das schöne Zentrum mit den Büros des Präsidenten, „Palacio de la Moneda“, und dem zentralen Platz „Plaza de Armas“ konnte ich gut fußläufig erkunden.

Am „Plaza de Armas“ steht auch die Bischofskirche und größte Kathedrale der Stadt, die „Catedral Metropolitana“.

Santiago ist das bedeutendste Wirtschafts- und Kulturzentrum von Chile, mit zahlreichen Universitäten, Hochschulen, Museen und Baudenkmälern. Fast alle großen Unternehmen haben ihren Sitz in der Stadt. Auch ist sie Medienzentrum des Landes. In der gesamten Region der Metropole Santiagos leben fast 8 Millionen Menschen. Somit leben ungefähr 40% der Bevölkerung Chiles hier – alle Kämpfen um zu Leben und zu Überleben.

Santiago bietet auch sehr vielen Künstlern ein Sprungbrett, was schon in den Straßen zu sehen war.

Es ist eine pulsierende Hauptstadt, in der viele junge Chilenen Musik, Tanz, und Bewegung bieten.

Der alte wunderschön restaurierte Bahnhof „Estación Mapocho“ führte bis 1986 noch Zugverkehr, und dient heute als Kunst- und Kulturzentrum.

Ich besuchte ein paar der interessanten Museen, wie das „Museo Nacional de Bellas Artes“.

Da Santiago in einem Erdbebengebiet liegt, wurden mehrmals Teile der Stadt von schweren Erdbeben beschädigt. Somit entstanden neue moderne Hochhäuser zwischen den älteren Kolonialgebäuden.
Ich lief hoch auf den zentral gelegenen Hügel „Cerro San Cristobal“, von dem ich einen Rundumblick auf die Stadt hatte.
Am Einkaufszentrum „Sky Costanera“ steht der 300m höhe „Gran Torre Costanera“, das höchste Gebäude Südamerikas.

Mit der Metro fuhr ich zum „Museo de la Memoria y los Derechos Humanos“. Hier wird die schreckliche Historie der Diktatur von Pinochet und die während seiner Regierungszeit verübten Gräueltaten zwischen den Jahren 1973 bis 1998 verarbeitet.

Wir genossen einen erholsamer Tag auf dem 34 Stock des Apartmenthauses, mit schönem Blick über das Stadtzentrum, und einem Pool. Die bis zu 5000m hohen Anden waren am Horizont zu erkennen.

Nach 4 Nächte in Santiago nahm ich mal wieder Abschied von Mike und Andrea. Ich machte mich auf dem Weg zur Küste, und fuhr durch eine weitere Weingegend.

Ich erreichte Viña del Mar, eine Stadt und beliebter aber nobler Urlaubsort an der Pazifikküste.

Dort parkte „Hausi“ in Zentrumsnähe direkt am Meer, und genoß den späten Nachmittag am Strand.

Am nächsten Morgen ließ ich „Hausi“ am Parkplatz in Viña del Mar stehen, und lief im Frühnebel nach Valparaiso, vorbei am Fischerhafen. Auch hier wurden die Fischerboote mittels Kran aus dem Ozean auf einer Mole herausgehoben.

Valparaiso, mit rund 1 Millionen Einwohnern, besitzt eines der wichtigsten Hafen des Landes. In 2003 wurde der historische Stadtkern zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt. Viele der Einwohner wohnen an den steilen Hängen, die sich direkt hinter dem Stadtkern erheben. Mir hinterließ die Stadt einen etwas verwahrlosten und nicht unbedingt schönen Eindruck, aber sie war sehr lebendig und trotzdem spannend zu besichtigen.

Ich lief den Steilhang hoch in das Viertel „Bellavista“, welches durch seine vielen Wandmalereien berühmt wurde.

Und dann ging es zurück ins historische Stadtzentrum am Hafen.

Die Hafenrundfahrt, mit Sicht auf den Seelöwen und den großen Handelsschiffen, war interessant.

Dann lief ich vorbei am Yachthafen, zurück um einen schönen Abschluss in Viña del Mar am Strand mit Bad im Pazifik zu genießen.
Von hier aus ging meine Reise noch weiter in den Norden. Landschaftlich ist dieses wieder eine ganz andere Region in diesem wunderschönen, abwechselungsreichen, langen Land, Chile.