Argentinien – vom Andenmassiv ins Landesinnere

Bei „El Infiernillo“ ging es über den 3042 Meter über Meeresspiegel hohen Pass in die Region Tafi del Valle. Ab und zu schaffen es Regenwolken hier von der Atlantikküste über die östliche Flanke der Berge zu gelangen. Dementsprechend wurde es grüner.





Saftig grüne Grasflächen bedeckten die Hügel und Berge. Kühe, Schafe und Pferde grasten frei auf dem offenen Gelände. Auf einer Wiese fand ich eine traumhaft schöne Übernachtungsstelle. Ich stand auf 2300 Meter über Meeresspiegel. Auf diese Höhe wurden die Nächte jetzt im späteren Herbst bereits sehr kalt.



Am darauf folgenden Morgen wanderte ich hoch auf den „Cerro Ňuñorco Grande“. Auf 3040 Meter über Meeresspiegel sah ich grasbedeckte Berge bis zum Horizont, und bekam auch einen wunderschönen Blick über den im Tal liegenden kleine Stausee „Embalse La Angostura“, sowie den Ortschaften El Mollar und Tafi del Valle.



Vorbei am Stausee ging dann die Weiterfahrt den Pass hinunter in die Pampa. An den Steilhängen wucherte der Urwald. Und in der westlichen Pampa Argentiniens gedeihen Zuckerrohr, Obst, Gemüse und Wein.


Ich besuchte die Kleinstadt La Rioja. Sie liegt in einer Ebene am Fuß der „Sierras Pampeanas“ auf etwa 550 Metern Höhe.




Sehr lange und gerade Straßen führten mich durch die flache Pampa in Richtung Süden. Im Westen tauchten am Horizont die Bergketten der Anden auf. Zwischen den Bergketten wurde die Landschaft wieder trockener. Erneut erlebte ich in dieser freien Natur schöne Übernachtungsstellen, und auch Bademöglichkeiten.










Über die flache westliche Pampa ging es bis nach Mendoza. Das Andenmassiv lag am Horizont. Vor Ankunft in Mendoza konnte ich noch einen Blick auf den in den argentinischen Anden liegenden Aconcagua werfen. Mit 6961 Meter über Meeresspiegel ist er der höchste Berg Amerikas. Nun im Mai war es in dieser Region sehr herbstlich geworden. Die Blätter hatten sich verfärbt. Tagsüber waren die Temperaturen zwar angenehm, aber die Nächte schön ziemlich kühl.



In Mendoza traf ich erneut auf Mike, Andrea und ihrem „Bulli„, mit denen ich zuletzt in Santiago de Chile zusammen war. Erlebnisse wurden ausgetauscht. Eine geführte Tour in die nahegelegene Region Maipú war dann ein sehr interessanter und angenehmer Nachmittag. Neben drei Weingütern konnten wir auch eine Olivenproduktion besichtigen.




Mendoza ist eine schöne und moderne Stadt. Viele größere Parks sind im Stadtbild verteilt.






In 1861 beschädigte ein sehr starkes Erdbeben Mendoza schwer. Dadurch kamen 4000 Einwohner ums Leben. Außerdem überfluteten die durch den Schutt blockierten Wasserkanäle das Zentrum. Die Stadt wurde fast komplett zerstört. Eine neue moderne Stadt wurde etwas weiter südlich neu aufgebaut. Alte Kolonialgebäude gibt es deswegen keine mehr. Die durch das Erdbeben zerstörten Ruinen der Kirche „San Francisco“, sowie ein Museum zu den Ereignissen konnte ich besichtigen.


Bevor ich den Westen Argentiniens verließ, wollte ich unbedingt noch ein letztes Mal in die Anden fahren. Eine Schlechtwetterfront hatte vom Pazifik etwas Neuschnee über die Gipfel gebracht. Die Gipfel waren leicht in Weiß gekleidet. Ich fuhr in das „Caracoles de Villavicencio“ und erlebte auf 3000 Meter über Meeresspiegel etwas Winter.












Durch die wärmeren Tagestemperaturen schmolz der Schnee schnell weg. Und klar am Horizont erschien erneut der Gipfel des 6961 Meter hohen Aconcagua. Weiter unter im Tal fand ich wieder eine wunderschöne Übernachtungsstelle. Lagerfeuer und in der Nacht einen ungestörten Blick auf die Milchstraße waren inklusive.




Der „Paso Internacional Los Libertadores“ ist die wichtigste Straßenverbindung zwischen Argentinien und Chile. Sehr viele LKWs transportieren Waren über die Grenze. Seit 1980 erleichtert ein auf 3200 Meter über Meeresspiegel gebauter Straßentunnel die Fahrt. Nur wenn extreme Winterwetterbedingungen herrschen, ist dieser Grenzübergang nicht befahrbar. Schon alleine die Reise durch die Bergwelt bis zum Straßentunnel war für mich ein unbeschreibliches Erlebnis. Bei bestem Wetter fuhr ich auch die alte kurvenreiche Passstraße hinauf bis zum Sattel auf 3854 Meter. Dort stand ich wieder an der Grenze nach Chile, mit Sicht auf den Straßenserpentinen auf beiden Seiten.









Mit Mike und Andrea hatte ich mich erneut verabredet. Unser ausgemachter Treffpunkt lag im Weingebiet „Valle de Uco“. Dieses ist eine der renommiertesten und wichtigsten Weinregionen in Argentinien.





Die Zeit verlief schnell vorbei. Anfang Juni war mein Rückflug von Montevideo nach Deutschland gebucht. Ich verließ also die Andenregion und machte mich auf dem Wege in den Nordosten Argentiniens. Mitten in der flachen Pampa erschien die etwa kreisrunde ausgewaschene Bergformation „Sierra da las Quijadas“. Durch die Verschiebung der Erdplatten wurde diese Bergeregion vor Millionen von Jahren wie ein Geschwür aus der flachen Pampa herausgedrückt. Nachträglich haben die Naturelemente das weichere Innere ausgewaschen. Zurückgeblieben sind rötliche Felsformationen, in denen ich oftmals interessante Gesichtszüge erkannte.





Argentinien ist riesig, und die Fahrt durch die Pampa über schnurgerade Strecken schier endlos. Westlich vor Córdoba erscheinen dann erneut eine Bergkette. Die „Sierras de Córdoba“ steigen auf knapp 2300 Meter über Meeresspiegel. Eine Nacht verbrachte ich in Villa Carlos Paz am Stausee San Roque. Und Argentinien bereitete sich inzwischen mental auf die Fußballweltmeisterschaft 2026 vor.
Für „Hausi“ hatte ich bei der VW-Werkstatt in Córdoba einen Service organisiert. Das Service-Team bezeugte ihm beste Noten.




Mit 1,5 Millionen Einwohnern ist Córdoba die zweitgrößte Stadt Argentiniens. Sie ist industrielles und kulturelles Zentrum der Region, mit einer der bedeutendsten Universitäten. Wegen den vielen Bauten aus der Kolonialzeit wird sie von zahlreichen Touristen besucht.












Es gabt viele Museen zu besichtigen. Musik und Kunst waren überall gegenwärtig. Und auch die vielen Vögel zwitscherten lautstark mit.







Ich besuche das Museum „Museo de la Memoria“. Dieses ist in einem ehemaligen Foltergefängnis untergebracht, welches während der Diktatur von der Investigations-Gruppe D2 verwendet wurde. Viele Menschen verschwanden aus politischen oder ideologischen Gründen, da sie für die damalige Führung als Gefahr gesehen wurden. Nachträglich wurde das Gefängnis zur Wiederaufbereitung der schrecklichen Taten umfunktioniert, auch für mich ein interessantes aber bedrückendes Erlebnis. So brutal kann eine Diktatur sein.




Nordöstlich von Córdoba ging es weiter durch die flache Pampa. Die langen Zufahrten zu den Farmen, den „Estancias“, ließen mich nur erahnen, wie groß diese sind. Im kleinen Ort Jesus Maria besuchte ich ein altes Jesuitenkloster, welches heute als Museum offen ist.



Der Badeort Miramar de Ansenuza liegt am großen Salzsee „Mar Chicita“, welcher fast wie ein kleines Binnenmeer gesehen werden kann. Miramar entwickelte sich im vergangenen Jahrhundert zu eines der bedeutendsten Ferienzentren der Provinz und hatte damals über 100 Hotels. Infolge der Seeausdehnung durch starke Niederschlagsmengen, dehnte sich in 1977 der See so aus, dass ein Großteil des Ortes überschwemmt wurde. In 1992 wurden der überschwemmte Teile des Ortes gesprengt. So entstand eine neue Uferpromenade. Langsam kehrt der Tourismus zurück.





Das „Gran Hotel Viana“ war damals das luxeriöseste unter den Hotels am See. Es wurde während des zweiten Weltkrieges vom Deutschen Maximo Pahlke erbaut. Den Gerüchten zufolge sollten angeblich auch deutsche Wehrmachtsoffiziere hier Urlaub gemacht haben. Es gab sogar die Aussage einer Frau, welche Adolf Hitler hier im Hotel gesehen haben soll. Das sind aber nur Gerüchte. Nach dem Krieg verließ Pahlke Argentinien. Das Hotel wurde bis zu seiner Zerstörung durch die Überschwemmung des Sees weiterbetrieben. Ich konnte das interessante Museum besichtigen.





